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Interview mit Curt Fredriksson über das „Kriegermanagement“

„Wenn du lernst, die Natur deines Geistes zu verstehen, verlieren äußere Umstände den Einfluss auf dein Gemüt. Das Ideal im eigenen Denken ist ein Trugbild, in dessen Trance wir den Augenblick in seiner Einzigartigkeit nicht wahrnehmen können.“ Curt Fredriksson, erfolgreicher Unternehmer und Autor des Buches „In mir ist ein tiefes Glück“, gibt interessante Einblicke in Entstehung und Konzeption des von ihm entwickelten Kriegermanagements. Ziel seiner Praxis sind die innere Stärke und Größe der Person.

Sie bezeichnen das Kriegermanagement als „Konzept zur Restrukturierung der eigenen geistigen Ordnung“. Was genau ist darunter zu verstehen?

Fredriksson: Die geistige Entwicklung des Einzelnen unterliegt dem Zufall. Seine genetischen Vorgaben, sein kulturelles und soziales Umfeld prägen sein Bewusstsein. In seinem natürlichen Streben nach Zufriedenheit ist der Einzelne dann lebenslänglich auf ein Bewusstsein angewiesen, das sich zufällig gebildet hat.
Das Kriegermanagement macht diesen Prozess deutlich und bereitet die Grundlagen auf, deren Verständnis unserem Streben nach Glück die Zufälligkeit entzieht. In diesem Sinne kann man das Kriegermanagement als angewandte Philosophie verstehen.

Bereits in Ihrem ersten Buch „Die Ermächtigung“ verwickelten Sie die Leser in einen philosophischen Dialog mit sich selbst über die Frage nach Glück und dem Sinn des Lebens. Welche Denker oder Gedanken regen Sie zum inneren Gespräch an?

Fredriksson: Denker eher weniger. Meist sind es Beobachtungen im Alltag. Die erste Auseinandersetzung mit einem philosophischen Thema, an die ich mich erinnern kann, war die Ostergeschichte im Religionsunterricht. Ich weiß noch, wie ungerecht mir damals das Schicksal des Judas im Angesicht der Vorbestimmung erschien.

Später in der Pubertät war es die bewusste Wahrnehmung des Holocaust. Das war eine tiefe Zäsur im Denken eines Heranwachsenden, die bis heute ihren Einfluss auf mich hat.

Wie drückt sich dieser Einfluss aus?

Fredriksson: Die Tatsache, dass dieser völkische Raub- und Massenmord passieren konnte, belegt, dass die uns bekannten wert- und ordnungsgebenden Systeme versagt haben. Innerhalb kürzester Zeit wurde das, was diese Gesellschaft sich über Jahrtausende an sozialen, religiösen oder philosophischen Werten erarbeitet hatte, außer Kraft gesetzt.
All die Hunderttausende Menschen, die aktiv, und die Millionen anderen, die passiv daran beteiligt waren, sind zum großen Teil akademisch, humanistisch und christlich vorgebildet und erzogen worden. Die Flucht in den Materialismus der Nachkriegszeit war ein simpler Reflex auf einen immer noch währenden kollektiven, philosophischen Schock, der weder erkannt, geschweige denn bearbeitet wurde. Diesen Zustand zu überwinden, um danach schlüssige Systeme zu finden, die eine solche Katastrohe unmöglich zu machen, wird die philosophische Herausforderung der nächsten Jahrhunderte werden.

Liegt hier die Motivation für Ihre Auseinandersetzung mit dem Kriegermanagement?

Fredriksson: Ja, zum Teil; der andere Teil der Motivation folgte der simplen Erkenntnis, dass mein persönliches Streben nach Glück recht chaotisch angelegt war.

Neben Ihrer Tätigkeit als Autor sind Sie Unternehmer im Bereich IT-gestützter Managementsysteme. Würden Sie die moderne Wirtschaftswelt als eine Art „Krieg“ verstehen, der nach „kriegerischen“ Tugenden verlangt?

Fredriksson: Wenn Sie Einfühlungsvermögen und Mitgefühl dazu zählen, vielleicht. Allerdings wird der „kriegerische“ Vergleich überschätzt. Manager sind keine „Kriegsteilnehmer“, sondern lediglich Personen, die im Wirtschaftsleben stehen. Wenn da etwas schwierig wird, geht es meist um persönliche Befindlichkeiten. Streit oder gar Gewalt ist nach meiner Erfahrung die absolute Ausnahme.

Trotz der martialischen Metaphorik ist das „Kriegermanagement“ von Sanftmut und Gelassenheit geprägt. Woran orientiert sich das Ideal des „Kriegers“?

Fredriksson: An der Zerstörung des Ideals im eigenen Denken. Ideale sind Schimären. Sie erzeugen eine Trance, die uns daran hindert, den Augenblick in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen.

Die Praxis des Kriegers unterscheidet zwischen vier Ebenen des Bewusstseins. Was zeichnet diese Ebenen aus und wie gelangt der Krieger von seiner „Heimat“, der aufmerksamen Betrachtung, zurück zum Handeln?

Fredriksson: Die Ebenen des Bewusstseins, bedingen einander, bei gleichzeitiger Unvereinbarkeit. Diese Tatsache macht es uns so schwer, eine belastbare, alltagstaugliche Lebensphilosophie zu finden. Genau deshalb macht es Sinn, die Ebene der aufmerksamen Betrachtung nicht zu verlassen, im Besonderen wenn man handelt. Probieren Sie es einmal aus. Sie können beides gleichzeitig tun.

Das Kriegermanagement spricht alle Menschen an und gilt für Einzelpersonen wie für Personen. Gibt es dennoch Grenzen, an die Sie bei der Anwendung des Konzepts in der Praxis gestoßen sind?

Fredriksson: Nein, bisher noch nicht.

Ihr neues Buch endet mit einem Epilog über die Entscheidung: Der Krieger ist sich darin seiner selbst gewiss. Kennt ein „Krieger“ auch den Zweifel an sich selbst?

Fredriksson: Wenn der Krieger den Kontakt zu seinem Selbst verliert, wird er zweifeln, wie jeder andere auch. Ähnlich einem guten Golfspieler, dessen Ball die Spielbahn verfehlt, wird der Zweifel ihn jedoch fordern, seine Praxis zu überprüfen und seine Haltung zu korrigieren. Das sollte ihm gelingen!

Das Gespräch wurde im April 2009 geführt.